Urdenbacher Altrhein

Deichöffnung erfolgreich fertiggestellt

Seit Anfang April kann der Dammweg zwischen Düsseldorf - Hellerhof und D- Urdenbach wieder uneingeschränkt betreten werden. Zwei Brücken aus Lärchenholz überspannen jetzt die beiden Deichöffnungen und laden zum Blick auf den neuen Lauf des Urdenbacher Altrheins ein. Dieser fließt nun über 2,5 km westlich des Dammweges etwa in jenem Bereich, wo er sich bis zum Bau des Sommerdeiches im Jahr 1956 durch die Aue schlängelte. Mit dieser Laufverlegung wurde die Vorgabe der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie umgesetzt, soweit möglich alle Gewässer wieder in den guten ökologischen Zustand zurückzuführen.

Viele Interessenten verfolgten Ende März, wie Schwerkräne die Brücken bei Urdenbach und Hellerhof auf ihre vorbereiteten Fundamente hoben. Der Bergisch Rheinische Wasserverband öffnete anschließend den Durchlass bei Hellerhof. Das Bett des bisherigen Altrheins wurde abgefischt. 18 Arten wurden dabei festgestellt. Insgesamt zehn Querriegel aus Sandboden bilden im bisherigen Bett nun Stillwasserflächen und werden zukünftig von Libellen und Amphibien besiedelt. Die Kooperationspartner Stadt Düsseldorf, NRW-Stiftung, Bergisch Rheinischer Wasserverband, Bezirksregierung Düsseldorf und Biologische Station Haus Bürgel eröffneten die Brücken pünktlich Anfang April in Anwesenheit von Presse, Radio und Fernsehen und freuten sich, dass die Bauarbeiten bei bester Witterung und ohne Rheinhochwasser genau im Zeitplan geblieben sind. 

Wenige Tage später rastete in der Morgendämmerung bereits ein Waldwasserläufer auf seinem Flug in die Brutgebiete nach Nordeuropa am Ufer des neuen Feuchtgebietes. Weitere Informationen können aus der Presseinformation der Stadt Düsseldorf entnommen werden.

Die wissenschaftliche Erfolgskontrolle wird in den kommenden 10 Jahren durch die Biologische Station Haus Bürgel in Abstimmung mit der Stadt Düsseldorf koordiniert. Die Finanzierung wird durch Mittel des Landes NRW, der Stadt Düsseldorf und durch die Hauptsponsoren der Biologischen Station, die Firmen AWISTA und KDM ermöglicht. Zusätzlich finanziert die Deutsche Umwelthilfe in den Jahren 2014 und 2015 Vogelkartierungen.   

FAQ zum Urdenbacher Altrhein

Warum wurde der Urdenbacher Altrhein umgeleitet?

Das bisherige kastenartige Profil wurde 1956 gemeinsam mit dem Sommerdeich gebaut. Es sollte das Wasser des Garather Mühlenbaches / Urdenbacher Altrheins schnell zum Rhein ableiten, um Bewirtschaftung der angrenzenden Wiesen und Äcker vor leichten Hochwässern zu schützen. Der Bach mit seinem weitgehend sandigen stetig umgelagerten Untergrund bot nur wenigen Wasserpflanzen und Wassertieren Lebensraum. Zukünftig wird sich ein Niederungsgewässer mit einer deutlich höheren Artenzahl ausbilden – und das völlig eigenständig allein durch die wechselnde Hochwasserdynamik.

Was passiert mit dem bisherigen Bachbett des Urdenbacher Altrheins?

Durch zehn sogenannte Bodenkissen, die quer zum Bachbett geschüttet wurden, staut sich das langsam einsickernde Grundwasser abschnittsweise. So bilden sich zusätzliche Feuchtlebensräume beispielsweise für Amphibien und Libellen.

Warum wurde auch in den ehemaligen Baumberger Graben sandiger Boden geschüttet?

Der Baumberger Graben diente ebenfalls seit 1956 der schnellen Entwässerung. Mit den vier Bodenschüttungen im Baumberger Graben wird ein schneller Abfluss des neuen Bachlaufes verhindert. So kann sich ein neuer Lauf ungehindert ausbilden.

Warum fließt so wenig Wasser aus dem Garather Mühlenbach in die Aue?

Im gesamten Einzugsgebiet des Garather Mühlenbaches (50 km²) zwischen Solingen, Hilden und Langenfeld haben der zuständige Bergisch Rheinische Wasserverband und die Stadt Düsseldorf bereits über 8 km Gewässerlauf renaturiert. Dadurch versickert ein Teil des Wassers bereits vor Ort und. Bei mehrwöchiger Trockenheit fehlt zusätzlich der Niederschlagsnachschub.

Warum schützt die Deichöffnung vor Folgen des Klimawandels?

Durch die Überflutung der Feuchtgebiete werden bei Hochwasser Wassermengen zurückgehalten und mindern in gewissem Rahmen den Abfluss in den Rhein. Beim anderen Extrem, einer mehrwöchiger Trockenheit im Sommer, füllt der Abfluss eines einzelnen Gewitterregens zunächst die Tümpel der Feuchtgebiete. Bisher floss dieses Wasser direkt in den Rhein – und die angrenzenden Lebensräume der Libellen, Frösche und Fische trockneten weiter aus.  

Führt die Deichrückverlegung zur Austrocknung des Garather Sumpfes?

Der Garather Sumpf wird durch Grundwasser aus der Geländekante („Hangdruckwasser“) gespeist. Dies war in den frostigen Winterwochen der Jahre 2010/11 und 2011/12 gut zu sehen. Damals waren lediglich die mit ca. 7° C relativ warmen Grundwasserquellaustritte dauerhaft eisfrei, während der gesamte Sumpf zugefroren war.

Werden zukünftig Mückenplagen auftreten?

Dies wird für absehbare Zeiten allein durch die Deichöffnung nicht passieren. Die neuen Wasserflächen sind wie bereits der Garather Sumpf durch stetige Wasserzufuhr kühler, als es die Mücken benötigen. Zudem werden Mückenlarven sehr gern von Libellenlarven, Amphibien und Fischen gefressen.
Ausschließlich im Frühsommer 2013 kam es vermehrt zu Mückenentwicklung. Im Juni 2013 führte ein spätes Rheinhochwasser zu wochenlanger Flutung der abflusslosen Senken in den Wiesen. Diese Wasserflächen erwärmten sich und waren Ursache der Mückenmassenvermehrung. Die bereits seit Jahren existierenden Wasserflächen des Garather Sumpfes und anderer Tümpel haben nicht zu Mückenplagen geführt.  

Welche Tiere kann man beobachten?

Der blauschimmernde Eisvogel fliegt entlang der Wasserflächen und sucht nach kleinen Fischen. Er ist sehr scheu, hält sich aber regelmäßig im Gebiet auf. Daher gehört etwas Glück dazu, ihn zu beobachten.

Insgesamt 12 Graureiher brüten zwischen März und Juli in Bäumen über dem Sumpf entlang der Geländekante Richtung Garath.

Der Biber kommt nicht im Gebiet vor. Die nächsten Biber leben an der Erft und am Niederrhein bei Bislich. Der Nutrias und die noch kleineren Bisamratten sind jedoch seit Jahren im Gebiet anzutreffen. Der Nutria wird über 60 cm groß. Er besitzt einen runden Schwanz, der nochmal 40 cm lang werden kann. Die Bisamratte ist mit ca. 40 cm Körperlänge und kürzerem Schwanz noch kleiner als der Nutria. Er baut die aufgehäufte Bauten, die insbesondere im Baumberger Hamm beobachtet werden. 

Weitere Hintergrund-Informationen zum Altrhein-Projekt finden sie hier.

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Deichöffnung in leichter Sprache

 

 

Lebendige Gewässer in NRW (UmweltNRW)

 Film mit Ausschnitten vom Urdenbacher Altrhein