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Der "Auenkauz" ist eine Auszeichnung der Biologischen Station Haus Bürgel für hervorragendes ehrenamtliches Engagement im Naturschutz.

07.12.2017

Dr. Jürgen Schumann erhält den 11. Auenkauz


Der "Auenkauz" ist eine Auszeichnung der Biologischen Station Haus Bürgel für hervorragendes ehrenamtliches Engagement im Naturschutz. Der Vorstand der Biologischen Station hat sich in diesem Jahr einstimmig für den Ornithologen und Buchautor Dr. Jürgen Schumann aus Düsseldorf entschieden.

Der Preis wurde der Biologischen Station im Jahr 2002 zum 10-jährigen Jubiläum von dem langjährigen Vorsitzenden Prof. Dr. Eberhard Weise gestiftet. Der Auenkauz ist eine in Bronze gegossene Plastik und sieht einem Steinkauz recht ähnlich. Sie ist eine Kreation des Leverkusener Künstler Kurt Arentz. Von der auf 20 Exemplaren limitierten Auflage wird heute der neunte Auenkauz verliehen.

Wieso wurde Jürgen Schumann ausgewählt?

Jürgen Schumann 64 Jahre, verheiratet, 3 Kinder, lebt in Düsseldorf

Er hat sein erstes Fernglas zur Konfirmation bekommen und von seinen Eltern 50 Vogelarten gelernt.

Inzwischen beobachtet Jürgen Schumann seit 50 Jahren, die Vogelwelt. Seit 2013 ist er Vogelberinger und hat inzwischen ca. 5.000,- Vögel beringt. Das sind 1.000 Vögel pro Jahr!!

Er beteiligt sich ehrenamtlich an landesweiten Kartier Projekten für den Brutvogelatlas NRW und ist seit Jahren im NABU Stadtverband Düsseldorf aktiv. Außerdem betreut er die Internetplattform Ornitho.de. Ornitho.de ist eine nationale Vogeldatenbank. Die Daten sind wertvolle Grundlage für Aussagen zu überregionalen Trends, wie etwa Auswirkungen des Klimawandels oder die Veränderungen durch intensive Landwirtschaft und Bebauung.

2014 hat er sich entschlossen auf der Basis des längst vergriffenen Buches von Alfred Leisten „Die Vogelwelt der Stadt Düsseldorf“ ein völlig neues Werk zur Vogelwelt  zu erarbeiten. Ungezählte ehrenamtliche Stunden sind in die Kartierung der Brutvögel, in die Recherche der Bestandstrends und in die Erstellung der Texte geflossen. Jürgen Schumann hat es auch geschafft viele ehrenamtliche Mitstreiter für das Projekt zu begeistern; sei es durch die Meldung von Naturbeobachtungen oder die Bereitstellung von Fotos.

Die Biologische Station im Gespräch mit Jürgen Schumann:

Warum begeistern Dich die Vögel?

anfangs wie bei vielen - man trifft Vögel in jedem Lebensraum, sie faszinieren durch ihre Fähigkeit zu fliegen und sie sind so vielgestaltig und bunt.

Später dann die Erkenntnis, dass man sie allein an der Stimme erkennen kann - etwas, was in unserer Gesellschaft fast verloren gegangen ist, und was ich in meinen Kursen für die Studierenden immer wieder gern demonstriere, wie schnell man sich "einhört. Dann die ständig wechselnde Artenzusammensetzung im Jahreslauf, die auch die Erwartung auf die Vögel weckt, die noch gar nicht wieder da sind (wann höre ich meinen persönlichen Frühlingsverkünder, den ersten Zilpzalp, wann sehe den ersten Mauersegler) Und zum Schluss die unglaublichen intellektuellen Leistungen: Werkzeuggebrauch, sinnvoller Einsatz von Sprache, Problemlösung, die Fähigkeit, sich in einen anderen Vogel hineinzuversetzen, ja sogar zu lügen. Und noch so viel, was man nicht weiß...

Gibt es einen Lieblingsvogel?

 nicht wirklich. Meiner Familie habe ich immer nur geantwortet "Brathähnchen".

Wie kam das Interesse an der Beringung?

für mein Modul für die Studierenden konnte ich diese feldornithologische Methode immer nur theoretisch erwähnen, bis ich Tobias Krause erlebte, der am Elbsee sein Fangnetz aufgestellt hatte. Da sah ich die Chance, es selbst erlernen zu können. Schließlich sind Kartierungs- und Beringungsdaten nicht nur für die Beschreibung des Status Quo, sondern auch für das Aufzeigen von Veränderungen in unserer Umwelt wichtig ("Indikatorfunktion"). Und über das Zugverhalten von Vögeln weiß man eigentlich nur oberflächlich Bescheid.

Was war dabei ein einprägsames Erlebnis?

wie sehr andere Menschen daran interessiert sind, mal einen Vogel ganz aus der Nähe zu sehen oder sogar in der Hand zu halten - etwas, was durch die rigorosen Schutzbestimmungen des Bundesnaturschutzgesetzes niemandem mehr vergönnt ist. Der Bezug zur Natur ist schon bei vielen verloren gegangen, und die oberflächliche Beschäftigung mit anderen Dingen - Smartphone, Auto, Urlaub, Geld verdienen - gewinnt die Oberhand. Selbst das Biologiestudium hat sich vom ganzen Lebewesen abgewendet und beschäftigt sich mit Genen und Proteinen 

Was sagt die Familie zu dem Hobby... immer früh aufstehen?

wieso, die müssen doch gar nicht aufstehen? Mein Frühstück kann ich mir allein machen. Momentan sind alle stolz drauf, dass ich ein Buch schreibe - aber auch froh, wenn diese Belastung mal zu Ende geht.

Also ein durch und durch echter Auenkauz!

Der Naturschutz braucht Auenkäuze wie diesen, um der Natur eine Stimme zu geben und mit belegbaren Fakten auf Veränderungen hinzuweisen.

Elke Löpke

 

Träger des Auenkauzes sind bisher:

Wilhelm Knebel (2002), Otto Kieker (2004), Alfred Leisten (2006), Volker Hasenfuß (2008), Rod Farbrother (2009), Detlef Regulski (2010), Gerd Preiss (2013), Gerd Thörner (2014), Elmar Kottolinsky (2015), Ehepaar Henrichs (2016)


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